VKI-Erfolg gegen Onlinebuchungsplattform Travelgenio | Verein für Konsumenteninformation, 05.05.2020

Flexibles Ticket von Travelgenio – in der Praxis wenig flexibel

Wien (OTS) „Alle Arten von Änderungen inkludiert“, so bewarb die in Österreich tätige spanische Flug- und Hotelbuchungsplattform Travelgenio SL das „Flexible Ticket“, das Verbraucherinnen und Verbraucher bei Flugbuchungen für einen Aufpreis von 99 Euro erwerben konnten. Tatsächlich unterlagen die möglichen Buchungsänderungen aber zahlreichen Einschränkungen, auf die das Unternehmen nur unzureichend hinwies. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hatte im Auftrag des Sozialministeriums Klage gegen Travelgenio eingebracht. Bereits das Handelsgericht (HG) Wien hatte dem VKI in allen Punkten Recht gegeben und Travelgenio unter anderem wegen irreführender Geschäftspraktiken verurteilt. Das Oberlandesgericht (OLG) Wien bestätigte das Urteil jetzt in vollem Umfang. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wer sich mit dem „Flexiblen Ticket“ von Travelgenio vorausschauend gegen Planungsunsicherheiten absichern wollte, musste feststellen, dass die zum Preis von 99 Euro teuer erkaufte Flexibilität nur in einem sehr eingeschränkten Umfang bestand. So mussten Flüge spätestens 48 Stunden vor dem Abflugtermin umgebucht werden und für Tickets, bei denen der Kunde bereits eine Teilleistung in Anspruch genommen hatte (z. B. Hinflug), waren Änderungen vollständig ausgeschlossen. In der Praxis bedeutete also das Werbeversprechen Travelgenios, dass „alle Arten von Änderungen inkludiert“ seien: Änderungen waren überhaupt nur bis 48 Stunden vor Antritt des Hinfluges möglich.

Zudem wurden die Kunden mit einem weiteren unerwarteten Ärgernis konfrontiert: Hatten sie bei der Flugbuchung eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen, wurde diese durch die Verwendung des „Flexiblen Tickets“ annulliert. Was dazu führte, dass für die Kunden ein Rücktritt, beispielweise im Falle einer Erkrankung, nicht mehr möglich war.

Über alle diese Einschränkungen hatte Travelgenio die Kunden aber nur unzureichend aufgeklärt. Das OLG Wien folgte jetzt, wie schon zuvor das HG Wien, der Rechtsauffassung des VKI und beurteilte diese Geschäftspraxis als irreführend. Daneben bestätigte das Gericht auch die Rechtswidrigkeit weiterer Bestimmungen in den AGB zum „Flexiblen Ticket“.

„Das Urteil ist erfreulich für die Konsumentinnen und Konsumenten. Wer um den stolzen Aufpreis von 99 Euro ein „Flexibles Ticket“ erwirbt, das mit ‚alle Arten von Änderungen inkludiert‘ beworben wird, darf auch eine entsprechende Flexibilität bei Umbuchungen erwarten“, betont Dr. Barbara Bauer, zuständige Juristin im VKI.

Der Anlassfall für die Klage des VKI war eine Konsumentin, die nach Absolvierung eines Praktikums in Bangkok ihr Rückflugticket mithilfe des „Flexiblen Tickets“ umbuchen wollte, was ihr jedoch mit Hinweis auf den bereits konsumierten Hinflug verwehrt wurde.

SERVICE: Das Urteil im Volltext gibt es auf www.verbraucherrecht.at.

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