TIROLER TAGESZEITUNG “Leitartikel” Samstag, 17. Oktober 2020, von Alois Vahrner: “Nur ein kleiner Hoffnungsschimmer”

Innsbruck (OTS) Angesichts der Reisewarnungen und weiter steigenden Infektionszahlen werden die Corona-Maßnahmen sowohl bundesweit als auch in Tirol deutlich verschärft. Für Tirols Tourismus gibt es einen kleinen Lichtblick.

Nach der ersten, vergleichsweise gut bewältigten Corona-Welle war der Optimismus in Österreich wohl doch zu groß und in der Folge leider die Vorsicht im Umgang mit der überwunden geglaubten Pandemie nicht groß genug. Die Politik warnte zwar unverdrossen weiter vor der Gefahr eines Rückfalls speziell im Spätherbst und Winter, das Aus für die allermeisten Vorgaben ließ im Sommer aber freilich auch die vielbeschworene Eigenverantwortung dahinschmelzen.
Viel früher als erwartet zeigt jetzt die Infektionskurve wieder deutlich nach oben. Auch wenn hierzulande – anders als bereits in einigen anderen europäischen Ländern – die Spitäler noch sehr gut mit der Lage zurechtkommen, ist vor allem der jüngste Anstieg alarmierend. In Tirol steht die Corona-Ampel mit Innsbruck und Innsbruck-Land bereits für zwei Bezirke auf der Warnstufe Rot und für vier weitere Bezirke auf Orange.
Die Aufgabe für die Politik ist jetzt eine höchst schwierige. Zum einen gilt es entschieden gegenzusteuern – Appelle allein fruchten zu wenig –, damit die Gesundheitssituation weiterhin im Griff bleibt. Zum anderen allerdings muss ein zweiter Lockdown mit verheerenden Folgen für die Wirtschaft und die Arbeitsplätze verhindert werden. Gerade weil sehr viele Infektionen vor allem bei privaten Feiern, im Familien-Umfeld und in der Freizeit passieren und weniger in Öffis, beim Einkaufen oder im Betrieb, ist das Unterfangen ein äußerst schwieriges – zumal die Polizei ja nicht in Wohnungen schnüffeln soll und darf.
Auch wenn tatsächlich zu diskutieren ist, ob die momentanen Richtwerte für Ampeln oder Alarmsysteme richtig oder sinnvoll sind. Alle Länder und künftig auch die EU haben ihre Richtwerte für Reisewarnungen, da sind Österreich (das im Übrigen auch vor Reisen in etliche Länder warnt) und Tirol letztlich nur Passagier.
So gab es zuletzt eine Reihe von Reisewarnungen vor dem „Risikogebiet“ Tirol, allen voran jene aus dem wichtigsten Herkunftsmarkt Deutschland. Die Sorge der Touristiker vor einem Fast-Totalausfall der Wintersaison ist groß, zumal Tirols Neuinfektions-Zahl zuletzt beim mehr als Vierfachen des deutschen Werts für Reisewarnungen zu liegen kam. Nach dem Image-Desaster Tirols im letzten Winter sah Deutschland auch die zu lockere Vorgangsweise Österreichs im Sommer kritisch. Deutschland hat mit einer Ausnahme für die Quarantänepflicht der Urlaubs-Rückkehrer nun doch ein kleines Hoffnungs-Fensterchen für den Tourismus geöffnet. Dazu braucht es aber rasch umfassende regionale Sicherheitskonzepte und weniger Infektionen. Das ist alternativlos.

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