Moosbrugger: Landwirtschaft ist mehr wert – Leistungen sind abzugelten

Ernte 2018: Sehr früher Erntebeginn, Ertrag etwas unter langjährigem Durchschnitt

Wien (OTS) „Dass Bäuerinnen und Bauern täglich den Tisch decken, ist bekannt. Doch sie leisten noch viel mehr: So beleben sie die ländlichen Regionen mit jährlichen Ausgaben in der Höhe von 6 Mrd. Euro. So sichern sie mehr als 250.000 Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Branchen und stellen dem Tourismus, einer Stütze unserer Volkswirtschaft, die wichtigsten Grundlagen, nämlich Landschaft sowie Speisen und Getränke von höchster Qualität zur Verfügung. Sie schützen die Täler vor Naturgefahren und erzeugen nachwachsende Energie. Viele dieser Leistungen, wie lebendige Räume, schöne Landschaft oder höchste Erzeugungsstandards, gilt jedoch der Markt nicht ab. Deshalb braucht es öffentliche Mittel im Rahmen der EU-Agrarpolitik, meist aus der Ländlichen Entwicklung. Dass ausgerechnet diese Zahlungen überproportional gekürzt werden sollen, ist völlig unverständlich. Es gilt, in den Verhandlungen klar zu machen, dass stabile Leistungen eine zumindest stabile Abgeltung brauchen“, stellte LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger im Rahmen der Erntepressefahrt 2018 fest und präsentierte die neue Broschüre „Vom Mehrwert der Land- und Forstwirtschaft Österreichs“ der Landwirtschaftskammer (LK).

LK Österreich erarbeitet Grünland- und Ackerbaustrategie

„Der Ackerbau in Österreich steht vor vielfältigen Herausforderungen: Der Druck der internationalen Märkte bei gleichzeitig steigenden Ansprüchen der Gesellschaft, der Politik, der Umwelt, der Wirtschaft und der eigene Anspruch, den Betrieb ökologisch und ökonomisch gesund an die nächste Generation weitergeben zu können, benötigen eine umfassende Strategie. Die LK Österreich arbeitet daher derzeit an einer Grünland- und Ackerbaustrategie, die den bäuerlichen Familienbetrieben eine Leitlinie ins übernächste Jahrzehnt geben wird“, kündigte Moosbrugger an. Dabei sind Antworten auf aktuelle Fragen unter anderem in folgenden Bereichen erforderlich: Produktionsweisen (bio oder nachhaltig konventionell), Mindeststandards, Herkunft, Saatgut, Pflanzenschutz, Düngung, Lebensmittelmarkt, Futtermittelmarkt, Energie und Rohstoffe, Eiweißstrategie, Zuckerrüben, Bio-Ökonomie, Innovation, Forschung, Digitalisierung, Klimawandel, Risikomanagement, Strukturwandel.

Moosbrugger: „Als ersten Schritt haben wir die Eiweißstrategie erstellt, weil sowohl in den EU-Ländern als auch in Österreich pflanzliches Eiweiß für die Fütterung der Tiere importiert werden muss. Unser Land versorgt sich beim Eiweiß für die Verfütterung derzeit zu 82% selbst und ist auch in dieser Hinsicht ein Vorbild für andere Länder. Grünland und Mais sichern die Selbstversorgung bei Rindern, für die Schweine- und Geflügelfütterung wird jedoch Soja importiert.“

Die Landwirtschaftskammern wollen die Unabhängigkeit weiter verbessern und haben daher heuer die Eiweißstrategie beschlossen, mit der bis 2030 die Eiweißlücke geschlossen werden soll. So soll die Anbaufläche von derzeit 67.000 ha auf 100.000 ha ausgeweitet und der Soja-Durchschnittsertrag von heute 30 bis 32 dt auf 35 dt gesteigert werden. „Das hilft wesentlich mit, die Eiweißversorgung Österreichs auf eigene Beine zu stellen“, ergänzte Moosbrugger.

Österreich: Getreideernte unterdurchschnittlich

Das Ackerbaugebiet Österreichs war 2018 witterungs- und klimabedingt zweigeteilt: Vom Nordburgenland bis zum Inn war es über längere Phasen zu trocken, während es vom Südburgenland bis nach Kärnten feucht und oft sogar zu nass war.

In den nördlicheren Ackerbaugebieten kam nach einem trockenen Herbst im schneereichen Winter Zuversicht auf. Die Monate Februar und März waren dann sehr kalt. Die Monate April, Mai und auch die erste Junihälfte waren wieder viel zu warm und trocken. So war der April 2018 der wärmste April seit dem Jahr 1800. Der Vegetationsrückstand aus dem Frühjahr wurde aufgeholt. Doch erst relativ spät – im Juni – fielen die heißersehnten Niederschläge.

In den südlicheren Ackerbaugebieten in und rund um die Steiermark war das Jahr 2018 durch eine doppelt so hohe Niederschlagsmenge als sonst von Jänner bis Mitte Juni geprägt. Sehr häufig waren auch Extremniederschläge dabei. Gleichzeitig war die Temperatursumme um 11% höher als im Vorjahr. Für viele Bestände war dies mehr als ungünstig.

Flächenentwicklung

Österreichweit blieb die Getreidefläche ziemlich konstant. Die Sommergerste hat – klimawandelbedingt – weiter abgenommen, nur mehr 46.000 ha wurden angebaut. Roggen- und Triticale-Flächen haben hingegen zugenommen, weil sich hier eine verstärkte Nachfrage auswirkt. Körnermais-Flächen nahmen in der Steiermark ab, wo sich aufgrund des Schädlings Maiswurzelbohrer der Maisanteil in der Fruchtfolge deutlich verringert, und sie stiegen insbesondere im Trockengebiet an. In Summe ist die Körnermaisfläche relativ konstant.

Außerhalb von Getreide betraf die stärkste Flächenveränderung die Rübe. Es wurde zwar annähernd das Flächenausmaß des Vorjahres angebaut, aber aufgrund des starken Schädlingsbefalls (Rübenderbrüssler) musste ein Viertel der Zuckerrübenflächen umgebrochen werden, bei den Bio-Rüben sogar zirka zwei Drittel. Auf diesen Flächen wurde in vielen Fällen Mais und Sojabohne nachgebaut. Beide Kulturen zeigen deswegen ein Flächenplus. Soja wächst relativ konstant mit plus 5% pro Jahr und ist jetzt mit über 67.000 ha bereits die viertstärkste Kultur in Österreich.

Ernteerwartung

Das auffälligste an der heurigen Ernte ist der frühe Zeitpunkt. Österreich verzeichnet in der ersten Juli-Woche einen Druschfortschritt wie noch nie. Der Vegetationsvorsprung liegt zwischen zwölf (an der ungarischen Grenze) und 18 Tagen (im oberen Waldviertel). In der jetzigen Sommerwetterphase wird bis Mitte Juli die Haupternte abgeschlossen sein. In früheren Jahren begann sie erst zu diesem Zeitpunkt.

Infolge der schwierigen Vegetationsverhältnisse wird insgesamt mit einer unterdurchschnittlichen Getreideernte gerechnet. Sie wird mit 2,92 Mio. t unter 3 Mio. t betragen. Dies ist zwar eine kleine Steigerung gegenüber dem extrem trockenen Vorjahr, liegt aber im Mehrjahresschnitt trotz einiger Trockenjahre deutlich unter dem Schnitt der letzten fünf Jahre (minus 6,4%).

Innerhalb der Kulturen ist der Rückgang der Sommergerste infolge des Flächen- und Ertragsrückgangs am deutlichsten. Sommerbraugerste wird mangels wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit zu einer Randkultur. Roggen und Triticale haben aufgrund der Flächensteigerungen zum Vorjahr die höchsten Produktionssteigerungen. Gegenüber dem langjährigen Durchschnitt sind, mit Ausnahme von Hartweizen, Wintergerste und Triticale, die Produktionsmengen bei allen Kulturen geringer.

Schultes: Klimawandel verlangt Sicherheiten für Ackerbauern

„Der Klimawandel ist in der Land- und Forstwirtschaft angekommen. Jetzt geht es darum, sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einzustellen“, erklärte der Vorsitzende des Ausschusses für Pflanzenproduktion in der LK Österreich und LK Niederösterreich-Präsident, Hermann Schultes. „Eine Tatsache, die das diesjährige Anbaujahr deutlich gezeigt hat. Denn enorme Trockenheit prägte bis Anfang Mai das niederösterreichische Getreideanbaugebiet. Zusätzlich dazu sahen sich Bäuerinnen und Bauern mit einem massiven Schädlingsdruck konfrontiert. Das starke Auftreten des Getreidehähnchens führte besonders in Bio-Beständen zu Schäden.“

Die Niederschläge im Mai und Juni führten beim Getreide zu einer guten Kornausbildung. Damit konnte ein Teil der Trockenschäden ausgeglichen werden, sodass mengenmäßig von einer durchschnittlichen Ernte ausgegangen wird. Die hohen Temperaturen haben die Reife derart beschleunigt, dass mit der Ernte um etwa 14 Tage früher gestartet werden konnte.

„Die bäuerliche Praxis verändert sich durch den Klimawandel enorm. Ertragsschwankungen und Risiko nehmen zu. Hier braucht es nicht nur eine zukunftsfähige Agrarstrategie. Es braucht Lösungen, die für Ackerbauern Sicherheiten schaffen. Die Ernte-Risikoversicherung muss ausgebaut, aber auch Wasserbereitstellung und Bewässerungsmöglichkeiten müssen schon heute forciert werden, damit unsere Landwirtschaft in Niederösterreich in Zukunft fit bleibt“, so Schultes.

Windisch: Der erlösende Regen kam zu spät

„Im Herbst und im Winter kam es durch die ausreichenden und regelmäßigen Niederschläge zu einer guten Bestockung der Winterungen. Doch durch die trockene Witterung in diesem Frühjahr mit Temperaturen um die 30 Grad haben die Pflanzen Stress gelitten. Mit Ertragseinbußen von 20% gegenüber einem Durchschnittsjahr ist bei Winterweichweizen und anderen Getreidearten zu rechnen. Der trockene und heiße Juni hat uns Ertrag gekostet und der erlösende Regen kam leider zu spät. Das Niederschlagsdefizit liegt in diesem Jahr bei zirka 20%. Im langjährigen Vergleich sind die heurigen Erträge unterdurchschnittlich“, so Franz Windisch, Präsident der LK Wien.

Berlakovich: Trockenheit und Hitze bescheren unterdurchschnittliche Erträge

„Nach dem niederschlagsarmen Herbst 2017 kam durch den schneereichen Winter bei den Bauern bezüglich der Entwicklung des Getreides eine optimistische Stimmung auf. Aber es war trotzdem zu wenig Niederschlag. Das trockene und überaus warme Wetter im Frühjahr, speziell im Monat Mai, machte vielerorts die Hoffnung der Bauern zunichte. Besonders in Teilen des Nord- und Mittelburgenlandes gab es zu lange Hitzezeiten und keine beziehungsweise zu geringe Niederschläge. Diese Wettersituation begünstigte auch eine rasche Entwicklung von Pflanzenschädlingen, was als erste die Zuckerrübenbauern auf ihren Feldern verschmerzen mussten. Im Süd- und Mittelburgenland gab es zwar mehr Niederschläge, die Temperaturen lagen aber auch in diesen Bezirken über dem langjährigen Durchschnitt. Zudem verursachten Starkregen, Hagel und Überschwemmungen in vielen süd- und mittelburgenländischen Gemeinden – auch in der Landwirtschaft – große Schäden“, erklärte Nikolaus Berlakovich, Präsident der LK Burgenland.

Er erklärte weiter: „Der Beginn der heurigen Wintergerstenernte war so früh wie schon lange nicht. Die bisherigen Druschergebnisse haben ergeben, dass wir auch bei der Getreideernte 2018 unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn bis 20 Jahre von knapp 295.000 t liegen. Aufgrund der höheren Wintergetreideanbaufläche von 4% gegenüber dem Vorjahr kann der Produktionsrückgang etwas ausgeglichen werden.“

„Wetterextreme, wie Hitze und Trockenheit einerseits und Frost, Starkregen und Überschwemmungen andererseits, sind leider keine Ausnahmeerscheinungen mehr. Die Landwirtschaft ist in ihrer Werkstatt unter freiem Himmel dem Klima und dem Wetter völlig ausgesetzt. Unsere bäuerlichen Betriebe haben immer höhere Produktions- und Fixkosten zu verzeichnen (z. B. für Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz, Maschinen, Sozialversicherungsbeiträge etc.) und sind zunehmend extremen Preisschwankungen des Marktes ausgesetzt. Daher ist es auch in der zukünftigen GAP-Periode 2021 bis 2027 wichtig, dass unsere Betriebe auf ökologisch ausgerichtete, leistungsbezogene Prämien setzen können. Diese sichern, gemeinsam mit einer guten Mehrgefahrenversicherung der Hagelversicherung, nicht nur die Existenz unserer bäuerlichen Betriebe, sondern garantieren damit auch, dass die Menschen in unserem Land hochqualitative Lebensmittel zur Verfügung haben, die für sie auch leistbar sind“, so Berlakovich abschließend. (Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Josef Siffert
LK-Pressestelle
Tel.-Nr.: 01/53441-8521
E-Mail: j.siffert@lk-oe.at

[ad_2]

Quelle