Bundesregierung benachteiligt österreichische Lebensmittelhersteller gegenüber ausländischen Produzenten

Nationale Herkunftsvorschrift wird noch mehr Bürokratie für Lebensmittel „Made in Austria“ bringen

Wir fordern einheitliche Spielregeln auf EU-Ebene und keinen nationalen Alleingang bei der Lebensmittelkennzeichnung. Das schwächt unsere heimischen Lebensmittelhersteller!

Katharina Koßdorff, Fachverband der Lebensmittelindustrie

Die Bundesregierung belastet somit ausschließlich unsere heimischen Lebensmittelproduzenten, indem sie diesen zusätzliche Investitionen und mehr Bürokratie auflädt. Ausländische Produzenten sparen sich diesen Mehraufwand, konkurrieren aber im Supermarktregal – im In- und Ausland – unmittelbar mit den österreichischen Produkten. Gegen diese Benachteiligung unserer österreichischen Betriebe sprechen wir uns ganz klar aus. Wie ist dieses Vorhaben mit dem Kampf gegen Gold Plating und der
Standortinitiative vereinbar?

Katharina Koßdorff, Fachverband der Lebensmittelindustrie

Vorschnelles Handeln zur verpflichtenden Herkunftsangabe in Österreich allein bedeutet ein Übererfüllen von EU-Vorgaben. Das schadet dem Standort. Diese Eile ist für uns nicht nachvollziehbar, da mit 1. April 2020 ohnehin eine EU-weit einheitliche Regelung zur Herkunftskennzeichnung der Primärzutat eines Lebensmittels vor der Türe steht. Dann ist Wettbewerbsgleichheit aller Marktteilnehmer in der EU gegeben.

Katharina Koßdorff, Fachverband der Lebensmittelindustrie

Wien (OTS) Österreichische Lebensmittel sind auf über 180 Märkten weltweit gefragt – damit ist die heimische Lebensmittelindustrie das Zugpferd für den gesamten österreichischen Agrar- und Lebensmittelsektor. Damit das so bleibt, fordert Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie, mehr Rückendeckung durch die Politik. „Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen wir Initiativen, die unseren Standort unterstützen“, appellierte Koßdorff. Viele von der neuen Bundesregierung angekündigte Vorhaben seien gut für unser Land, besonders jene zur Vermeidung von Gold Plating – die Übererfüllung von EU-Regelungen. Die von der Regierung geplante verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln stehe dazu jedoch im krassen Widerspruch. „Wir fordern einheitliche Spielregeln auf EU-Ebene und keinen nationalen Alleingang bei der Lebensmittelkennzeichnung. Das schwächt unsere heimischen Lebensmittelhersteller!“, so Koßdorff anlässlich jüngster öffentlicher Debatten. 

Konkret geht es um das Vorhaben des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus, eine nationale, zwingende Herkunftsangabe bei verarbeiteten Lebensmitteln (Fleischprodukten, Milch, Eiprodukten, verarbeiteten Produkten und Milchprodukten) einzuführen. Die geplante Regelung geht deutlich über bereits geltendes EU-Lebensmittelrecht hinaus und gilt nur für inländische Hersteller. „Die Bundesregierung belastet somit ausschließlich unsere heimischen Lebensmittelproduzenten, indem sie diesen zusätzliche Investitionen und mehr Bürokratie auflädt. Ausländische Produzenten sparen sich diesen Mehraufwand, konkurrieren aber im Supermarktregal – im In- und Ausland – unmittelbar mit den österreichischen Produkten. Gegen diese Benachteiligung unserer österreichischen Betriebe sprechen wir uns ganz klar aus. Wie ist dieses Vorhaben mit dem Kampf gegen Gold Plating und der Standortinitiative vereinbar?“, resümiert Koßdorff die Sorge der Branche.

Erfolgreiche freiwillige Modelle zur Herkunftskennzeichnung ausbauen statt aushöhlen

Im Gegensatz zum Vorhaben der Bundesregierung steht die Nahrungs- und Genussmittelindustrie seit Jahren für freiwillige Systeme zur Herkunftskennzeichnung, wie das seit 20 Jahren erfolgreiche AMA-Gütesiegel. Dieses würde durch eine gesetzliche Zwangsangabe entwertet und dessen Finanzierungsgrundlage würde damit verringert. Auch unterstützt die Branche den Ausbau der zahlreichen freiwilligen, firmeneigenen Programme („Regionalitäts-Initiativen“) oder der EU-weiten Herkunftskennzeichnungsmodelle der geschützten Angaben (zB Vorarlberger Bergkäse, Steirisches Kürbiskernöl). Gerade bei geschützten Angaben hat Österreich aber mit lediglich 16 deutlichen Aufholbedarf. Italien oder Frankreich verzeichnen etwa jeweils 200 – 300 geschützte Angaben.

Österreich kann sich mit Agrarrohstoffen nicht selbst versorgen – Agrarimporte sind für die Versorgung der Menschen unumgänglich

Die österreichische Lebensmittelindustrie ist der wichtigste Abnehmer heimischer Agrarrohstoffe und somit zentraler Partner der Landwirtschaft. Österreich kann sich jedoch regelmäßig nicht zu 100 Prozent mit allen wesentlichen Agrarwaren selbst versorgen. Diese werden von der heimischen Landwirtschaft nicht oder in nicht ausreichender Menge oder Qualität für die Lebensmittelproduktion zur Verfügung gestellt. Ernteausfälle wie durch Dürre, Unwetter oder Schädlinge oder andere unvorhergesehene Ereignisse (zB Ausfall eines Lieferanten) tragen das ihre dazu bei. Daher müssen die Weiterverarbeiter flexibel fehlende Mengen und erforderliche Qualitäten aus dem Ausland und somit aus unterschiedlicher Herkunft zukaufen.

Eine rein nationale Herkunftsvorschrift verteuert Lebensmittel „Made in Austria“

Eine verpflichtende nationale Herkunftskennzeichnung bedeutet daher in der Praxis, dass Rohstoffe nach Herkunft räumlich getrennt werden müssen und zwar bei Anlieferung, Lagerung und Weiterverarbeitung. Damit wären zB extra Lagerräume/Silos/Tanks sowie nach Herkunft der Rohwaren getrennte Verarbeitungsschritte pro Produktcharge unumgänglich. Das bedeutet unter Berücksichtigung bereits bestehender Produktions- und Logistikprozesse (zB Bio, AMA-Gütesiegel, gentechnikfrei, spezifische Kundenwünsche) zusätzliche Investitionen und weiteren Administrationsaufwand für die österreichischen Lebensmittelunternehmen. Weiters müssen die Herkunftsangaben auf der Verpackung laufend angepasst und für eine nachträgliche Prüfung nachvollziehbar sein. Das verteuert die Lebensmittel „Made in Austria“. Allen anderen Herstellern aus der EU bzw. aus Drittstaaten, die ihre Produkte in Österreich anbieten, bleiben diese zusätzlichen „Herkunftskosten“ auf dem hochkompetitiven Markt erspart.

EU regelt bereits Herkunftskennzeichnung und baut diese laufend aus, erneut ab 1.4.2020

Die Angabe der Herkunft bei Lebensmitteln ist übrigens EU-weit bereits umfassend geregelt (ua für frisches verpacktes Fleisch, Honig, Fisch, Olivenöl, frisches Obst oder Gemüse, Eier, Bio-Lebensmittel). Davon abgesehen, ist auf Lebensmitteln bereits jetzt die Herkunft zu deklarieren, sollten andernfalls die Verbraucher getäuscht werden. Darüber hinaus werden Herkunftsvorschriften bei „Hauptzutaten“ europaweit ab 1. April 2020 gelten, sofern die Herkunft auf dem Lebensmittel angegeben ist.

Vorschnelles Handeln zur verpflichtenden Herkunftsangabe in Österreich allein bedeutet ein Übererfüllen von EU-Vorgaben. Das schadet dem Standort. Diese Eile ist für uns nicht nachvollziehbar, da mit 1. April 2020 ohnehin eine EU-weit einheitliche Regelung zur Herkunftskennzeichnung der Primärzutat eines Lebensmittels vor der Türe steht. Dann ist Wettbewerbsgleichheit aller Marktteilnehmer in der EU gegeben. Gerne sind wir zu Gesprächen bereit, um freiwillige Herkunftssysteme in Österreich weiter zu fördern“, so Koßdorff abschließend.

Stellenwert der Lebensmittelindustrie in Österreich

Die Lebensmittelindustrie ist eine der größten Branchen Österreichs. Sie sichert im Interesse der Konsumenten tagtäglich die Versorgung mit sicheren, qualitativen und leistbaren Lebensmitteln. Die rund 200 Unternehmen mit ihren 26.000 Beschäftigten erwirtschafteten im Jahr 2018 ein Produktionsvolumen von 8,5 Mrd. € – 6,6 Mrd. € davon im Export in über 180 Länder. Der Fachverband unterstützt seine Mitglieder durch Information, Beratung und internationale Vernetzung.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Katharina Koßdorff
Geschäftsführerin im Fachverband der Lebensmittelindustrie
Tel.: +43 1 712 21 21 – 14
k.kossdorff@dielebensmittel.at
www.dielebensmittel.at

Food Business Consult
DI Oskar Wawschinek MAS MBA
Pressesprecher für den Fachverband der Lebensmittelindustrie
+43/664-5456350
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