„Am Schauplatz“-Reportage „Die Chinesen kommen“ am 20. September um 21.05 Uhr in ORF 2

In Hallstatt hat der Massentourismus das Dorfgefüge aus dem Lot gebracht

Wien (OTS) Seit ein paar Jahren gibt es in Asien einen regelrechten Hype um Hallstatt im Salzkammergut. Eine Europa-Reise ist nur komplett mit einem Besuch in dem 780-Einwohner-Dorf, erzählen chinesische Touristinnen und Touristen. Das Ortszentrum ist so überlaufen, dass die Einheimischen es inzwischen meiden. Die Wirtshäuser sind mit Touristen voll. Jetzt trinken die Hallstätter ihr Bier auf der Tankstelle: „Im Zentrum gibt‘s nichts mehr für uns. Alle Stammtische haben dicht gemacht“, erzählt ein Schulwart aus Hallstatt. „Eine Reisegruppe mit 20 Chinesen bringt eben mehr als vier Einheimische, die beim Bier versumpern“, sagt sein Freund. Durch das Dorf verläuft ein Graben zwischen denen, die am Tourismus verdienen, und jenen, die nur die Nachteile haben, wie die „Am Schauplatz“-Reportage „Die Chinesen kommen“ von Julia Kovarik am Donnerstag, dem 20. September 2018, um 21.05 Uhr in ORF 2 zeigt. Apropos Tourismus: Mit der Zukunft des Tourismus in Österreich beschäftigt sich danach um 22.30 Uhr das ORF-Wirtschaftsmagazin „Eco“.

Das Ehepaar Z. wohnt direkt neben jenem Punkt in Hallstatt, von dem aus alle ein Foto machen wollen. Vom sogenannten „Fotopoint“ aus erwischt man die Schokoladenseite von Hallstatt, die Postkartenansicht. „Wenn wir am Balkon sitzen, verstehen wir unser eigenes Wort nicht mehr“, erzählt Herr Z. „Oft werden wir gelöchert, ob wir hier wirklich wohnen und wo das Hochhaus steht, in das wir nach unserer Arbeit gehen.“ Denn viele asiatische Gäste scheinen zu glauben, dass Hallstatt eine Art Freiluft-Museum ist und die Bewohner nur Statisten. Das führt häufig zu Konflikten. „Die gehen überall rein und fotografieren. Für das perfekte Foto reißen sie dir sogar das Kind aus dem Arm“, erzählt Sigrid Brader. Sie hat eine Bürgerliste gegründet und für den Gemeinderat kandidiert. Auf Anhieb hat sie mit ihrer Liste 28 Prozent der Stimmen erreicht. Das Hauptanliegen: Den Tourismus einzudämmen.

Bürgermeister Alexander Scheutz von der SPÖ zeigt einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 2001 mit dem Titel: „Hallstatt, das sterbende Dorf“. „Damals hat man uns bedauert und für tot erklärt“, erzählt er. Er ist froh, dass Hallstatt nun wieder eine Zukunft hat. Derselben Meinung ist auch sein Gemeinderatskollege Markus Derbel von der ÖVP. Er besitzt ein Restaurant und mehrere Souvenirgeschäfte und ist überzeugt davon, dass viele Kritiker einfach nur neidisch sind.

Zwischen 4.000 und 7.000 Besucherinnen und Besucher wälzen sich täglich durch die kleine Ortschaft. Und obwohl der Ort schon jetzt aus allen Nähten platzt, steigt die Besucheranzahl seit Jahren jedes Jahr um 20 Prozent. Derzeit kommen rund 80 Reisebusse pro Tag. Die Einheimischen fragen sich, wo das alles enden soll. Aber auch der Bürgermeister möchte jetzt die Notbremse ziehen und hat sich Hilfe geholt.

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